29 Jahre edt und abgeprenndt: Der ehemalige Kilihof

Kirchtruderinger Str. 20
München
  • Erbaut: spätes 19. Jh., im Kern älter
  • Besonderheit: zweigeschossiger, traufseitiger, Einfirsthof in Ecklage

Der ehemalige Kilihof ist ein zweigeschossiger, traufseitiger Einfirsthof mit vierachsiger Giebelseite. Trotz der gewerblichen Nutzung, deren Hauptanteil in Nebengebäuden stattfindet, konnte der ursprüngliche Charakter des Gebäudes bisher noch bewahrt werden.

Namensgeber für den mit seinen Wurzeln in das 8. Jahrhundert zurückreichenden Hof war Kilian Glonner, der ihn von 1610 bis 1632 bewirtschaftete. Danach lag das Anwesen 29 Jahre „edt und abgeprenndt“, bis sich Veit Döllerl zwischen 1658 und 1681 seiner annahm. Es ist nicht bekannt, in welcher Beziehung Elisabeth Gruber und ihr Mann Hans zu Veit Döllerl standen (Witwe, Tochter, Käuferin), aber in deren Familie wird der Kilihof bis zum Ende seiner landwirtschaftlichen Nutzung 1961 verbleiben.

Dies schließt auch die Achtung des Schwächeren ein. 1766 verpflichtet sich der Übernehmer Georg Huber, seinem Bruder Johann, der „nicht ganz weltläuftig“ (geisteskrank) ist, 150 Gulden (Fl.) auszuzahlen, während seine Schwester nur 75 Fl. erhält. Zum Vergleich: 1762 bekam eine Mitterdirn etwa 15 Fl. Jahreslohn.

Um 1900 vergrößert sich das Anwesen durch Zukauf weiterer Gründe, das große Höfesterben in Trudering hat schon begonnen. Gleichzeitig werden die Erträge durch die Einführung von Mineraldünger gesteigert. Ab 1935 kommt der erste Traktor auf den Hof und 1960 verlässt das letzte Pferd den Stall.