Alle Eier, die die Hennen am Montag legen: Für den Austrag

Truderinger Str. 295
München
  • Erbaut: ab Mitte 19. Jh.
  • Besonderheit: erdgeschossiges Kleinhaus mit Satteldach und gemauertem Schornsteinaufsatz

Deutlich spürt man bei diesem kleinen, giebelständigen Satteldachbau noch den Geist einer Epoche, in der es üblich war, bei der Übergabe oder dem Verkauf eines Hofes neben der Übergabesumme noch diverse Naturalleistungen für den täglichen oder besonderen Bedarf vertraglich zu regeln.

Dabei war es unwesentlich, ob der übernehmende Hofbesitzer ein Verwandter oder „fremder“ Käufer war. Zum üblichen Austrag gehörten freies Wohnen und Schlafen, die gleiche Tischkost wie die des neuen Bauers sowie diverse Sonderleistungen wie Kleidung, Getreidezuteilungen, Milch, Feuerholz, Schmalz, Backwaren, weißes Brot. Auch „Prandtwein“ oder Bier durfte nicht fehlen. Es gab vierteljährliche Extrazahlungen als Zehrpfennig, manchmal ein „jederzeit bereit stehendes Pferd oder Gespann mit Knecht oder Buben“ für den Kirchgang, für Stadtbesuche bzw. falls der „Austragler einmal ausreisen“ wollte oder „die Früchte von dem nächst dem Hause stehenden Birnbaum“. Fast immer findet sich auch eine Regelung für Eier z.B. „alle Eier, die die Hennen am Montag legen“. Eier waren ein Hauptnahrungsmittel und im 18. Jahrhundert lag der Verbrauch bei etwa 150 Stück pro Person im Jahr.

Die Art und Anzahl der Zuwendungen, die Höhe ihres materiellen Wertes und ihre Qualität variierten natürlich von Hof zu Hof. So hatte der eine Altbauer ein eigenes Austragshäusl, ähnlich diesem 1982 liebevoll saniertem Kleinst- oder Tagelöhnerhaus, und der andere musste beispielsweise mit dem Pferdestall als Schlafstätte vorlieb nehmen.