Allein zwischen den weiten Feldern: Die ehemalige Weinkelterei Neuner

Truderinger Str. 265
München
  • Erbaut: 1895
  • Architekt: Josef Lutz
  • Besonderheit: langgestreckter Satteldachbau mit Zwerchgiebel und Backsteinbänderung

Der schlichte, langgestreckte Satteldachbau der ehemaligen Weinkelterei Neuner wurde 1895 von Josef Lutz erbaut. Damals stand er alleine zwischen den weiten Feldern und sein bekrönender Zwerchgiebel wie auch die dekorativen Backsteinbänder der Fassade verliehen ihm eine gewisse Noblesse, die nicht an ein Industriegebäude denken ließ.

1870 bekam Trudering eine eigene Bahnstation an der wichtigen Verbindungslinie München-Rosenheim-Brenner. Die geringeren Einfuhrgebühren für Trauben gegenüber Flaschenwein rechtfertigten für das Münchner Weinhaus Edmund Neuner 1894 die intensiven logistischen Vorbereitungen und die finanziellen Investitionen für den Gewerbebau und ein Sondergleis. Ziel war der nur eintägige Transport zwischen Ernte und Verarbeitung der aus Italien, Frankreich und Südtirol anreisenden Trauben.

Als 1940 dieser Steuervorteil aufgehoben wurde, endete die ursprüngliche Nutzung des ersten Truderinger Industriegebäudes. Nachfolgend diente es bis 1972 der Firma Wilhelm Guris, einem Großhändler für Haushaltswaren.

In München sind zwei weitere Bauten von Josef Lutz erhalten; ein zurückhaltend im Neurenaissancestil gegliedertes Mietshaus in der Rumfordstaße und das klassizistische, nur mit schlichter, hell abgesetzter Ecksteinquaderung und Nischenfigur geschmückte, ehemalige Wohnhaus des Architekten, das heute die Pfarrbücherei von St. Ulrich in Laim beherbergt.