Das erste Truderinger Eigenheim: Das Schusterhäuschen / Das Sattleranwesen

Truderinger Str. 294 und 296
München
  • Erbaut: ab 2. Hälfte 19. Jh. (evtl. im Kern älter)
  • Besonderheit: zwei traufseitige Kleinhäuser z.T. mit Holzbalkon und Umbauten

Beide Häuser sind zu ihrer Entstehungszeit im 19. Jahrhundert typische Vertreter eines Handwerkerhauses.

Das Schusterhäuschen ist ein sechsachsiges, traufseitiges Klein- oder Tagelöhnerhaus mit altem Holzbalkon und mittiger Erschließung.

Die deutlichsten Veränderungen gegenüber seiner Bauzeit stellen die Schaufenster, die Abnahme der Fensterläden und der fehlende Vorgarten dar. Der Typus des schlichten Vorstadthauses, wie er ehedem vor allem an den Ausfallstraßen beheimatet war, mittlerweile jedoch aus dem Stadtbild so gut wie verschwunden ist, ist aber dennoch erkennbar.

Zum gleichen Typus zählt das nebenstehende ehemalige Sattleranwesen. Es ist etwas kleiner und vielleicht im Kern einige Jahre älter. Die starken Überformungen beider Häuser lassen aber keine exakte Datierung mehr zu. Entsprechend den Bedürfnissen seiner Bewohner fand beim „Sattler“ eine komplette Umgestaltung der Fassade statt. Die ehemals sechs Fenster entlang der Straße sind nun vier zum Teil verbreiterten gewichen und giebelseitig wurden drei Fenster zugemauert.

Bereits 1812 entstand auf dem Sattleranwesen nach der Lockerung des Söldengründungsverbotes das erste durch Joseph Neff erzimmerte Truderinger „Eigenheim“, wie es Josef Brückl bezeichnet. 1806 hatte der verwitwete Kirchtruderinger Sattlermeister Neff den Hof „zum Gaberhelln“ erworben und 1810 ein Austragshäusl für die Vorbesitzer Brandstetter erbaut. Bald darauf wird er nochmals zum Hochzeiter, übergibt den Gaberhelln an seinen Sohn und zieht mit seiner Braut und ihrem „im ledigen Stand eroberten“ Kind in das neu geschaffene Eigenheim, wo er weiterhin als Sattler wirkt.