Das Geschäft mit der Ehe: Beim Hartl

Truderinger Str. 282
München
  • Erbaut: 1899, 1953 umgebaut
  • Besonderheit: Mansardwalmdachbau mit Mittelrisalit und oktogonalem Turmerker

Der fünfachsige neubarocke Villenbau mit Mansardwalmdach, Mittelrisalit und spitz gedecktem, oktogonalem Turmerker ist 1899 entstanden.

Die Giebelgauben mit Rundbogenfenstern sind reich mit Profilbändern und Voluten geschmückt. Die mittlere, den Risalit bekrönende, ist vergrößert und nach Umbauten nur noch zurückhaltend gestaltet worden. Die nun blau von der weißen Fassade abgesetzten Fensterumrahmungen, die Schlusssteine und das Kranzgesims zitieren barocke und klassizistische Motive. Leider hat der malerische Eckbau durch die verfremdenden Umbauten seine einstige Leichtigkeit eingebüßt.

Obwohl der Hartlhof im 8. Jahrhundert in Freisinger Besitz gelangte, sind bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nur wenige Einzelheiten zu seinen Bewohnern bekannt.

Ab 1668 leuchten sie dafür umso „strahlender“ durch genau formulierte und im Verhältnis zu manch anderem Truderinger Bauernhof großzügige Austragszahlungen und Mitgiften, die auch zur Selbstüberschätzung und damit zur verfrühten Aufgabe bzw. zum Weiterverkauf des Hofes führen, um die versprochenen Ausstände auch begleichen zu können. Üblicherweise trug der Übernehmer auch alle auf dem Anwesen lastenden Schulden.

So muss Andre Rumpfinger 1668, bereits drei Monate nach der Einheiratung auf den Hof das Gut mit allem Zubehör „weder Haus- noch Baumannsfahrnis [sind] ausgenommen“ wieder verkaufen, um seine Gläubiger befriedigen zu können. Dabei handelt es sich um keine Geringeren als seinen neuangeheirateten Schwiegervater Hans Härtl (alias Schwankhart) und seine Schwägerin Margarethe.