Ein Truderinger Urgehöft: Oberer und Unterer Zehntbauer

Kirchtruderinger Str. 13
München
  • Erbaut: 1896,  nach Brand des Vorgängergebäudes
  • Besonderheit: Einfirsthof mit sparsamer Lüftlmalerei, Erdgeschosserker und Eckbalkon

Hier soll bereits schon zu Zeiten Truchtaros ein Gut gestanden haben, womit der Vorgänger des Unteren Zehntbauer zu den Urgehöften Truhtheringas zählen würde. Der gut erhaltene Einfirsthof wurde 1896 gebaut, wobei der Erdgeschosserker und der Eckbalkon aus dem 20. Jhd. stammen. Das Gut war bis zum Jahr 1803 im Besitz des Freisinger Bischofs. Von 1803 bis 1848 gehörte der Hof dem bayrischen Staat und erst mit der Bauernbefreiung von 1848 werden die jeweiligen Bauern freie Eigentümer von Grund und Boden. Ursprünglich stand hier „nur“ ein Viertelhof, das Zubaugut des eigentlichen „Ganzen Oberen Zehentbauernhofes“, der aber bereits 1803 in zwei Halbe Höfe geteilt wurde. Wirtschaftliche Not ließen den damaligen Zehentbauer Wolfgang Hagn darum bitten, das ganze Gut zu veräußern, um fortan auf dem Viertelgut zu leben.

Der Name des Hofes leitet sich aus der Funktion ab, die die früheren Besitzer des Hofes innehatten. Als Zehentbauer kümmerten sie sich um die verpflichtende Abgabe und Lagerung des „Zehnten“ als Steuer an den Lehnsherren.

Im September 1938 erhalten Josef und Anna Schweinhuber den Hof von seinen Eltern. Während des ein Jahr später beginnenden Zweiten Weltkriegs versteckte die Familie Schweinhuber Kriegsflüchtlinge auf Ihrem Hof und rettete ihnen so ihr Leben. Zu dem Unglück des Krieges zerstört 1945 ein Hagelunwetter die Getreideernte zu 80 %. Im Jahr 1949 sieht sich die Bauersfamilie gezwungen, die Landwirtschaft aufzugeben und das letzte Pferd verlässt den Hof. Aber auch heute noch ist der Hof in Familienbesitz. 2014/15 erfolgt ein behindertengerechter Aus- und Umbau des Anwesens.