Herberge für die Händler: Die ehemalige Ehehaftstrafern

Truderinger Str. 306
München
  • Erbaut: Restauriert nach Brand 1876
  • Besonderheit: zwei- und siebenachsiger, traufseitiger Satteldachbau

Die Geschichte der Ehehaftstafern, später „Alter Wirt“ und heute „Obermaier“ genannt, reicht bis in das 12. Jhd. zurück. Ihr Erfolg war eng mit dem Salzhandel von Wasserburg nach München verbunden, denn sie war beliebte Herberge bei den Fuhrleuten. Nach ihrem Wiederaufbau zählt sie ab 1641 zu den „vornehmeren Tafern“. Ihren Wirten gelingt durch Grundstückszukäufe in den nachfolgenden Jahrzehnten der soziale Aufstieg vom Söldner zum Bauern. Beredtes Zeugnis darüber geben die Höhen der Übergabesummen, Austräge, Heirats- und Erbschaftsgüter ab.

Als die verwitwete Maria Hörmann 1862 den ehemaligen Gendarmen Joseph Dengler heiratet, schmeckt das den Truderingern überhaupt nicht. Streng hatte er auf die Einhaltung der Polizeistunde gesehen und auch als Wirt bleibt er streitbar. 1863 kommt es zum Verkauf an die Wirtsleute Joseph und Theresia Obermaier.

Deren Sohn Max Obermaier ist im Ersten Weltkrieg verpflichtet, ein Gespann mit Wagen zu stellen und gibt schweren Herzens zwei fünfjährige Apfelschimmel. Aber seiner Frau Viktoria gelingt es, den Briefkontakt zum Pfleger der Pferde über die Kriegsjahre aufrecht zu erhalten. So ist bekannt, dass die Tiere in Frankreich zum Transport von Munition genutzt wurden und auch in der Schlacht von Verdun treue Kameraden waren. Nach Kriegsende werden die Schimmel versteigert und ihr Pfleger, beauftragt von den Wirtsleuten, erhält den Zuschlag. Als er aber den erfolgreichen Kauf in einer Wirtschaft nahe des Ostbahnhofs begießen will, dauert dies den Heimatluft witternden Pferden zu lang. Sie machen sich selbständig, traben durch Berg am Laim, ziehen im vollen Galopp in Trudering ein und kommen erst vor dem Wirtshaus zum Stehen.

Bis heute befinden sich Gasthof und Hotel im Besitz der Familie Obermaier.